Evotec SE

Kurs zieht an: Evotec sieht Talsohle erreicht und spricht von Wachstum

Nach einem herausfordernden Jahr sendet Evotec wieder vorsichtig optimistische Signale. Der Hamburger Wirkstoffforscher hat 2025 bei leicht rückläufigem Umsatz von rund 788 Mio. Euro seine Profitabilität deutlich verbessert: Das bereinigte operative Ergebnis stieg auf 41 Mio. Euro und lag damit klar über dem Vorjahr.

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Alles wieder gut in Hamburg? Statt weiterer Abwärts- oder Seitwärtsbewegung macht der Kurs des Wirkstoffentwicklers Evotec SE einen lange nicht gesehenen Sprung nach oben mit einem Plus von zwischenzeitlich rund 9%. Die Jahreszahlen fallen positiver aus als befürchtet, die Weltlage entspannt sich für einen Augenblick, statt von immer neuer Konsolidierung zu sprechen fällt auch wieder einmal das Wort „Wachstum“.

Börsianer nehmen dankend an

Damit scheint sich der Konzern nach einer Phase schwacher Nachfrage und umfangreicher Restrukturierungen zu stabilisieren. Insbesondere das margenstärkere Geschäft sowie Kostensenkungen tragen nun sichtbar zur Ergebnisverbesserung bei. Noch im Jahresverlauf 2025 hatten rückläufige Forschungsaufträge das Wachstum gebremst, gleichzeitig aber erste Effekte des Umbauprogramms gegriffen.

Statt Konsolidierung, lieber die Umsatzmilliarde ins Schaufenster stellen

Für 2026 spricht das Unternehmen zwar weiterhin von einem Übergangsjahr mit einem erwarteten Umsatz zwischen 700 und 780 Mio. Euro, stellt aber zugleich die Weichen klar auf Expansion. Mittelfristig soll der Umsatz bis 2030 die Marke von einer Milliarde Euro überschreiten, bei deutlich steigender Profitabilität. Diese Zielmarke hatte der frühere CEO Werner Lanthaler einst bereits für 2025 ausgegeben. Die persönliche und die Unternehmensgeschichte ist dann ein wenig anders verlaufen und nach einem deutlichen Reset mit rund 3/4 Wertverlust der Aktien über die vergangenen 3 Jahre kann man nur hoffen, dass diesmal die Talsohle wirkliich erreicht ist.

Die strategische Stoßrichtung ist nun immerhin wieder nach vorne gerichtet: Nach der Konsolidierung will Evotec wieder wachsen – fokussierter, effizienter und mit stärkerer Ergebnisqualität. An der Börse kam diese Perspektive wie erwähnt gut an. Die Investoren setzen damit offenbar darauf, dass Evotec den Turnaround geschafft hat und nun wieder Kurs auf nachhaltiges, profitables Wachstum nimmt. Ob die Trendwende nachhaltig sein wird, hängt wohl auch vom weiteren Nachrichtenfluss ab.

Gewinnbeteiligung bei Verkauf von Tubulis

Für manche überraschend war da der Geldsegen aus dem Milliarden-Verkauf der Münchner Tubulis an die US-amerikanische Gilead. Durch eine Beteiligung in der Serie B-Finanzierungsrunde im Jahr 2022 war Evotec (damals noch unter CEO Lanthaler und mit dem Beauftragten für frühe Innovationskooperationen Thomas Hanke) zu den Anteilseignern des Antikörper-Wirkstoff-Konjugate-Unternehmens gestoßen, dem damals schon eine vielversprechende Zukunft vorausgesagt worden ist. Rund 100 Mio. US-Dollar erwarten die Hamburger nun für ihren Firmenanteil aus den Upfrontzahlungen der Amerikaner. Mancher Branchenbeobachter hätte hier sogar deutlich mehr erwartet, da noch 2024 ein Anteil von rund 8% an Tubulis in den Bilanzen auftauchte, doch war Evotec wohl bei den folgenden hochgejazzten Finanzierungsrunden stärker ausverdünnt worden und nicht in gleichem Maße mitgegangen und bei einigen Runden wohl ausgesetzt, so dass aktuell ein Anteil von 3,14% genannt wird, während das Handelsregister vom Oktober 2025 noch 3,7% ausweist. Diese Anteilsschrumpfung ist nach dem großvolumigen Exit für manchen Grund für ein Stirnrunzeln, doch nachher ist jeder schlauer.

Relevanter für den weiteren Nachrichtenfluss  sind für die Wirkstoffprofis die Partnerschaften auf Augenhöhe mit Big Pharma. Dort ist insbesondere diejenige mit BMS zu erwähnen, die regelmäßig durch das Erreichen von Meilensteinen hohe Millionenbeträge an die Elbe transportierte und dies auch in Zukunft tun soll. Ebenso wird im Geschäftsbericht ausdrücklich die Partnerschaft mit Bayer erwähnt. Auf diesem Pfad der guten Nachrichten will man in Hamburg nun jedenfalls weitermachen, so klingt die Botschaft durch.

Konsolidierung noch nicht ganz abgearbeitet

Um die in Börsianeraugen wichtige hohe Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda-Marge) von 20 Prozent im Jahr 2028 zu erreichen und 2030 sogar noch darüber zu liegen, muss weiter an der Sparschraube gedreht werden. Der Konzernumbau mit weiteren Kostensenkungen geht daher weiter. So soll etwa innerhalb der nächsten zwei Jahre die Zahl der Standorte nochmals schrumpfen und es sollen noch bis zu 800 weitere Stellen wegfallen. Erst dann sehen die Unternehmenslenker, zu denen kürzlich ein ehemaliger Bayer-Veteran als neuer Aufsichtsratsvorsitzender hinzugekommen ist, einen nachhaltigen Turnaround geschafft.

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